35 Organisationen machen Druck auf Nachrüstungen in Mühleberg

35 Anti-Atom-, Umwelt-, Menschenrechtsorganisationen und Parteien verlangen sofortige Massnahmen gegen die nunmehr über drei Jahre dauernde Verschleppung von Nachrüstkonzepten im AKW Mühleberg. Sie fordern zu diesem Zweck vom Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK in einem Brief vom 20. Oktober 2014, die Verordnung zur Ausserbetriebnahme von Kernkraftwerken ABNV auf schnellstem Weg im Sinne einer superprovisorischen Verfügung zu präzisieren. Das AKW Mühleberg verletzt mehrfach die offiziellen Risikogrenzwerte und soll deshalb nach Inkraftsetzung der Verfügung sofort ausser Betrieb genommen werden und nur dann wieder in Betrieb gehen können, wenn belegt ist, dass im AKW ausreichende Nachrüstungen durchgeführt worden sind.

Abschalten statt Aussitzen!

Eine Artikel-Serie im Journal-B

 

Medienmitteilung

 

Brief an UVEK

 

Aufruf der 32 Organisationen

 

Info10_Fokus_Anti-Atom

Alarmierende Personalsituation im AKW Mühleberg

AKW Mühleberg Immer weniger Wissen und Erfahrung des Personals

Heute hat das ENSI den jährlichen Aufsichtsbericht über die Kernanlagen publiziert . Fokus Anti-Atom hat mit Besorgnis festgestellt, dass im AKW Mühleberg immer mehr erfahrenes Personal den Betrieb verlässt. Nicht von ungefähr hat das AKW die weitaus meisten Vorfälle der Schweizer Anlagen verzeichnet. Gravierender Wissensschwund für einen Weiterbetrieb „Die Personalfluktuation erreichte im Jahr 2013 einen Stand, welcher auf einen bedeutenden Verlust an werksspezifischem Wissen und Erfahrung hinweist.“ Dies schreibt das ENSI in seinem heute publizierten Aufsichtsbericht (Kap.2.7). Erfahrungen spielen in einem über vierzigjährigen AKW eine beutende Rolle. Jüngeres Personal ist mit der Technik der 1960-er Jahre zu wenig vertraut. Funktionsabläufe und technische Konstruktion unterscheiden sich erheblich von späteren Anlagen. Jürg Aerni, Präsident Fokus Anti-Atom: „Offensichtlich sind die Angestellten nicht mehr motiviert, auf einen Endzeitbetrieb hin zu arbeiten, was diesen umso gefährlicher macht.“ Nicht von ungefähr werden längst pensionierte Ingenieure als Berater beigezogen . Dies wiegt umso schlimmer, als auch auf der Ebene des Managements der Sicherheit zu wenig Beachtung geschenkt wird, wie kürzlich eine Expertengruppe der IAEA bei einer Kontrolle (OSART-Mission) bemängelt hat . Das ENSI hatte in seiner Beurteilung der zehnjährlichen Sicherheitsbeurteilung des AKW sogar den Verwaltungsrat kritisiert.

Im aktuell vorliegenden Jahresbericht 2013 des ENSI ist folgendes zu lesen: „Die Personalfluktuation erreichte im Jahr 2013 einen Stand, welcher auf einen bedeutenden Verlust an werksspezifischem Wissen und Erfahrung hinweist. Das KKM hat 2013 keine grösseren organisatorischen Änderungen vorgenommen.“
Im aktuell vorliegenden Jahresbericht 2013 des ENSI ist folgendes zu lesen: „Die Personalfluktuation erreichte im Jahr 2013 einen Stand, welcher auf einen bedeutenden Verlust an werksspezifischem Wissen und Erfahrung hinweist. Das KKM hat 2013 keine grösseren organisatorischen Änderungen vorgenommen.“

Medienmitteilung Fokus Anti-Atom: 2014_06_30-FAA-ENSIJahresbericht

 

24.7.2014 BZ AKW Mühleberg liefen Mitarbeiter davon
22.07.2014 srf Kein Personal fürs AKW
24.07.2014 AZ

Gibt es in den Aargauer AKW einen Fachkräftemangel?

24.07.2014 DerBund BKW braucht neue Leute für den Kommandoraum in Mühleberg
22.07.2014 Kein Personal fürs AKW
03.07.2014 AKW: Riskante Personalprobleme

 

Weiterführendes zu Personalproblemen in AKW

 

Ueli Jost (72) pensionierter Mühleberg Mitarbeiter in einem Beitrag des srf.ch rühmt sich noch regelmässig ins AKW gehen zu müssen. Dazu ein Text von Fredi Lerch: IV    Jetzt, wo das Risiko zunimmt, beginnt das Personal davonzulaufenVor einem Jahr hat das SRF-Fernsehmagazin «ECO» Ueli Jost porträtiert. «Von Beginn weg», also seit 1971, habe dieser Elektroingenieur im AKW Mühleberg gearbeitet und auch heute noch, mit 72 Jahren, sei er teilzeitig dabei. «Ich kenne die Anlage à fond, wie sie wahrscheinlich nur wenige kennen», sagte er stolz in die Kamera: Gegenüber Otto Normalverbraucher habe er einen gewaltigen Wissensvorsprung und könne die Anlage besser beurteilen «als jeder, der seine Informationen aus der Zeitung nehmen muss».  Man nickt ehrfürchtig: Wer über AKWs nur aus den Zeitungen informiert ist, hat keine Ahnung. Da spricht ein alter, weiser Mann zu Unwissenden, um – soweit es ihm sein Schweigegelübde erlaubt – anzudeuten, dass er über geheimes Herrschaftswissen verfügt. «Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden,
Als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.» Jaja.

 

Die OSART Mission im Oktober 2012 stellte im AKW Mühleberg fest das das Betriebspersonal hohe Überzeitsalden aufweist: „3.1 ORGANIZATION AND FUNCTIONS, The Operations department has a good succession plan in place. Although the 6 shift teams are currently well staffed for the normal daily operations, a limited number of people in Operations have a lot of overtime hours, mainly due to the yearly outage. The team encourages the plant to investigate how overtime hours can be avoided or reduced in the future.“

 

Auch dem ENSI leidet unter Personalmangel. Im ENSI-Rat Bericht 2013 steht: „Es kann mittelfristig schwierig werden, die notwendigen personellen Ressourcen zu rekrutieren, um so das notwendige Know-how für die Aufsichtstätigkeit zu erhalten.»

 

Im Tätigkeitsbericht des ENSI findet  folgender Hinweis zum Personalmangel: „Die Geschäftsleitung des ENSI entschied, den Aufsichts-, den Strahlenschutz- sowie den Erfahrungs-und Forschungsbericht14 aufgrund der im ENSI anstehenden Aufsichtstätigkeiten ressourcenbedingt rund zwei Monate später zu veröffentlichen.“

 

Die Pläne der Schweizer Atomlobby neue AKW zu bauen, welche im Kanton Bern im Jahr 2011 zur absurden Mühlebergersatz-Abstimmung führte, waren absurd. Schon damals erkannten sie selbst dass sie ungenügend Personal zum Bau von AKW hat.

Hier Links zu Vorträgen welche bereits 2010 (Planung von AKW-Neubauten) auf Personal-Ressourcenprobleme eingingen

Die Resun welche neue AKW in Beznau und Mühleberg (Seite 6+9) plante, hielt folgendes fest: „Herausforderungen einzelner Dimensionen, Ressourcen / Knowhow – Fachspezialisten heute sehr gesucht, in den Werken, bei Aufsichtsbehörden und für Neubauprojekte sowie in der Entwicklung.“

Die Alpiq welche ein neues AKW in Gösgen (Seite36) bauen wollte, stellte  fest es fehlen Personen bei Aufsicht und Entwicklung.

„- Lack of people in the safety authorities (ENSI)
– Lack of people in the research centers (PSI, …)“

 

 Auch Beznau hat Personalprobleme!

Da hat die Aargauerzeitung ungenügend Recherchiert. Auszug aus dem ENSI Jahresbericht 2013: „Die in früheren Aufsichtsberichten des ENSI angesprochenen Personalfluktuationen in der Leitung des operationellen Strahlenschutzes waren auch im Berichtsjahr 2013 ein Thema.“

OSART FollowUp- Mission im AKW Mühleberg

AKW-Mühleberg: die BKW ist noch lange nicht reingewaschen!

Vom 16.-20. Juni haben Aufsichtsspezialisten der Internationalen Atomenergieagentur IAEA im AKW Mühleberg überprüft, ob die am 25.10.2012 gerügten Mängel1 von Organisation und Prozessabläufen von der BKW verbessert worden sind. In grösseren Abständen führt die IAEA so genannte OSART-Missionen durch, bei der betriebliche und organisatorische Zustand des Kraftwerks durchleuchtet werden. Obwohl die IAEA eine Atomfördergemeinschaft ist2 , hat sie in den Berichten gravierende Mängel zu Mühleberg aufgedeckt. Die erste Mission fand im November 2000 statt. Schon damals wurde ein Missstand in Kabelsicherung und –kennzeichnung festgestellt. 2012 wurde dies wieder angeprangert. Schon 2000 wurde ein zu tiefes industrielles Sicherheitsniveau bemängelt. 2012 ebenso. Insgesamt wurde 2012 das Management für seine Passivität kritisiert.

Medienmitteilung Fokus Anti-Atom: 2014_06_20-FokusAntiAtom-KKM-OSART

Bericht auf ENSI HP: http://static.ensi.ch/1312877995/osartkkm_followup.pdf

Abstimmung Mühleberg vom Netz

„Mühleberg vom Netz“ ist durchgefallen – Mühleberg abschalten steht auf der Tagesordnung

Die Initiative „Mühleberg vom Netz“ ist – wie vielerorts vorausgesagt – abgelehnt worden. Dies als Freipass für die von der BKW geplante fünfjährige Restlaufzeit zu interpretieren, ist aber falsch. Die Initiative ist nur ein Indikator für die Stimmung der Bevölkerung alten AKW, insbesondere dem Schrottreaktor Mühleberg, gegenüber. Wichtige Entscheidungsgrundlagen haben gefehlt.

Medienmiteilung Fokus Anti-Atom: 2014_05_18_MM_FAA

Kt. Bern Reusltate der Abstimmung

srf.ch berner-lehnen-sofortige-abschaltung-des-akw-muehleberg-ab

Die Initianten

ENSI schützt AKW-Mühleberg trotz Katastrophengefahr

Entsetzt nimmt Fokus Anti-Atom die vom ENSI mit etlicher Verspätung veröffentlichte Stellungnahme zur periodischen Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) des AKW Mühleberg von 2010 zur Kenntnis. Was 2007 in einer vergleichbaren Stellungnahme über 500 Seiten Wert war, wird jetzt auf 390 Seiten verdünnt. Trotz Auflistung von 26 Forderungen attestiert das mutlose ENSI, die Anforderungen seien für den laufenden Betrieb erfüllt.
Wichtige Zahlen zeigen:

Mühleberg gehört stillgelegt Lange unter dem Deckel gehaltene Kenngrössen findet man trotz der knappen Fassung in der Stellungnahme des ENSI. Bei erster Analyse zeigt sich, dass drei ausschlaggebende Risikokenngrössen zu gross sind1: – Die Kernschmelzwahrscheinlichkeit ist nach schweizerischem Regelwerk zu hoch, so dass unbedingt Nachrüstungen gemacht werden müssen. – Die Kernschmelzwahrscheinlichkeit wegen Erdbeben übersteigt die Richtwerte. Massnahmen sind ebenso notwendig. – Das Risiko für einen frühzeitigen katastrophalen Radioaktivitätsausstoss – also im Bereich von Fukushima-Verhältnissen – ist zu gross Das ist eine geballte Ladung und zeigt, dass Mühleberg mehr als ausgereizt ist.

Medienmitteilung Fokus Anti-Atom: 2013_12_12_MM_FAA_PSU

Spiel mit Risiko geht weiter

Zum Anlass der ENSI-Vernehmlassung zum AKW Mühleberg

Was das ENSI heute unter dem Deckmantel “hohe Sicherheit“ verkauft, sind im Prinzip grosse Abstriche gegenüber dem Konzept DIWANAS,  für welches Anfangs 2012 schon das Freigabeverfahren begonnen hatte. Die BKW ringt dem ENSI minimale Nachrüst-Massnahmen ab. Das Ganze grenzt an Arbeitsbeschaffung für das ENSI. – Ein brisantes Dokument eines Westinghouse-Mitarbeiters legt zudem nahe: Die BKW hätte die umfassende Nachrüstung DIWANAS, welche vor 3 Wochen aufgegeben wurde, nicht nur finanziell, sondern auch technisch und atomrechtlich nicht mehr tätigen können.

Das AKW Mühleberg ist nicht annähernd auf den Stand der Technik zu bringen und muss deshalb sofort ausse rBetrieb gehen.

Medienmitteilung Fokus Anti-Atom:  2013_11_21_FokusAntiAtom

Schnellabschaltung im AKW Mühleberg 3 Monate verheimlicht

P1040197Fokus Anti-Atom entdeckte gestern eine auf der ENSI Homepage diskret platzierte Vorkommnis- Meldung1 . Die Meldung wurde am 22.November 2013 aufgeschaltet, einen Tag nach der Medienkonferenz2 des ENSI zum Verzicht auf nötige Sicherheitsnachrüstungen im AKW Mühleberg. Bis zum Super-GAU in Fukushima wurden Schnellabschaltungen immer innert Tagesfrist als Vorkommnisse vermeldet. Seit Fukushima hat das ENSI seine Politik geändert, Vorkommnisberichte werden erst nach Monaten aufgeschaltet.

Fokus Anti-Atom erkennt: Betreiber und Aufsicht lassen erst Gras über die Sache wachsen!

BKW, Nuklearforum und ENSI verschweigen Schnellabschaltung

Die Schnellabschaltung ereignete sich bei der Revision am 14. August 2013. Bei einem Test vor der Entladung der Brennelemente aus dem Reaktor kam es zu einer Schnellabschaltung. Das ENSI meldet nun: “Zur Vermeidung ähnlicher Vorkommnisse hat der Betreiber Folgemassnahmen identifiziert, die eine Anpassung der Testprozedur inklusive gezielter Schulung beinhalten.“ Weder auf der Homepage der BKW3 , des ENSI4 noch in den Monatsberichten des Nuklearforums 5 wurde die Zwischenabschaltung vermeldet. Fokus Anti-Atom veröffentlichte im November 2013 eine Zusammenstellung gravierender technischer Probleme im AKW Mühleberg und verlangte gleichzeitig vom ENSI das AKW auf die Ausserbetriebnahmebedingungen zu überprüfen6 . In Betreiber und Aufsicht haben wir kein Vertrauen mehr.

2013_11_30_MM_FAA_Schnellabschaltung

Auf der Tagesordnung steht die vorläufige Ausserbetriebnahme

Verschiedene Containments während der Bauphase. Links ein US-Reaktor, bei welchem die Birne und der Torus schon stehen. Man sieht gut die vier Eckräume. Im rechten Bild von Mühleberg fehlen diese Eckräume, sie sind durch den sichtbaren Graben um den Torus verhindert.1 (Der Torus selbst ist schon durch die nächste Etage abgedeckt.)
Verschiedene Containments während der Bauphase. Links ein US-Reaktor, bei welchem die Birne und der Torus
schon stehen. Man sieht gut die vier Eckräume. Im rechten Bild von Mühleberg fehlen diese Eckräume, sie sind
durch den sichtbaren Graben um den Torus verhindert.1
(Der Torus selbst ist schon durch die nächste Etage
abgedeckt.)

Mühleberg vorsorglich ausser Betrieb nehmen! Fokus Anti-Atom bestreitet, dass das AKW Mühleberg vor den vorgesehenen Nachrüstungen länger am Netz bleiben darf. Bis 2017 will Mühleberg unter anderem Verbesserungen gegen die Überflutung im Reaktorkeller auf 11 Metern unter Boden und gegen das Auslaufen des Brennelemtbeckens treffen. Wie der weltweite Vergleich zeigt, erreicht das AKW nicht einmal den Stand der Technik der Sechziger Jahre – also seiner Generation. Zudem kritisiert Fokus Anti-Atom die Wahrscheinlichkeitsrechnungen des ENSI, welche das eigentliche Risiko verschleiern. In einem Schreiben an das ENSI fordert Fokus AntiAtom dieses auf, endlich Beweise für die Legitimation des derzeitigen Leistungsbetriebs das AKW auf den Tisch zu legen. Das ENSI habe sich bisher zu sehr von ökonomischen Faktoren beeinflussen lassen.

Weiterlesen: 2013_10_30-FAA-HIntergrund_zu_KKM

77 Tage sind nicht genug

77-tage

Andreas Berger lässt die 77 Tage des AKW-Ade-Camps vor dem BKW-Hauptsitz aufleben. Sein Film «77 Tage sind nicht genug» zeigt den Protest, der in der temporären Stilllegung des AKW Mühleberg gipfelte. Christoph Aebischer, BZ, 01.12.2011

«Hallo Paps, darf ich im Camp übernachten? Ich bin an vorderster Front, aber es passiert schon nichts.» Die 16-jährige Schülerin Stefanie Schärer aus Bern hängt lässig am Polizeiabsperrgitter bei der japanischen Botschaft, telefoniert mit ihrem Vater und schaut dabei keck in die Kamera von Andreas Berger. Gestellt ist die Szene nicht. Die AKW-Gegner wollten dem japanischen Botschafter im Mai ein Zeichen ihrer Betroffenheit zum Reaktorunglück in Fukushima überreichen. «Dort fiel mir Steffi auf», sagt der Berner Filmemacher heute. Deshalb wurde Stefanie zu einer der drei Hauptfiguren seines Films über das AKW-Ade-Camp auf dem Viktoriaplatz, das Bern und vor allem die BKW 77 Tage lang in Atem hielt. Berger bemüht sich nicht um einen neutralen Blick. Vielmehr begleitet er eine Bewegung, die sich nach der Kernschmelze in Fukushima ziemlich spontan entwickelte. Der Film zeichnet unter anderem nach, wie Stefanie politisch aktiv wird. Am 24.Mai 2011 streikten mit ihr viele Schülerinnen und Schüler. 2000 zogen Slogans proklamierend durch die Stadt. Mühleberg muss vom Netz, forderten sie.

Tränen bei der Räumung

Doch auch die AKW-Gegner der ersten Stunde erhalten im Film über das Zeltlager vor dem BKW-Hauptsitz in der Person des 61-jährigen Ruedi Jungen aus Frutigen eine Stimme. Der dritte Protagonist ist Tom Locher, der sich seit Jahren in der Reitschule engagiert. «Ich fragte bereits im Mai an einer Vollversammlung des Camps, ob es okay ist, wenn ich einen Film drehe», erzählt Berger, der Autor von «Zaffaraya 3.0». Diesen Freitag findet nun die Uraufführung seines neuen Films im Kulturzentrum Reitschule statt. Zwischen Aufnahmen des Campalltags, mit Auftritten von Künstlern wie Pedro Lenz oder Steff la Cheffe, zu den Donnerstagdemos und den Protestmärschen nach Mühleberg, streut Berger Interviews ein, in denen beispielsweise auch anwesende Polizisten sehr offen über ihre Rolle reden. Allmählich mauserte sich das Camp zu einer politischen Herausforderung, die mit der polizeilichen Räumung am 22.Juni endete. Stefanie weint Tränen der Enttäuschung.

Skeptische BKW

«Die BKW hatte vorerst Mühe mit dem Filmprojekt und wollte nicht mitmachen», sagt Berger. Letztlich willigte die Betreiberin des AKW Mühleberg dann Ende September in ein Treffen zwischen Stefanie Schärer und BKW-Sprecher Antonio Sommavilla ein. Desillusioniert muss die Schülerin feststellen, dass das AKW Mühleberg wohl nur aus taktischen Gründen zeitgleich mit der Räumung des Camps vom Netz ging. Denn seit der Sanierung liefert der «Schrottreaktor», wie die Gegner ihn im Film bezeichnen, wieder Strom. «Für mich ist diese Niederlage ein Ansporn», sagt Stefanie kämpferisch in Bergers Kamera. Berger gibt seinem Streifen folgerichtig den Namen «77 Tage sind nicht genug». Als Zeitdokument, das zwar Stellung bezieht, aber die andere Seite und ihre Argumente nicht ausblendet, legt der 78-minütige Film Zeugnis ab einer auch weit weg von Japan aufwühlenden Katastrophe. Formal fehlt ihm der letzte Schliff. Doch Berger setzte sich unter Zeitdruck: «Mir war von Anfang an klar, dass der Film noch in diesem Jahr herauskommen muss und nicht erst in fünf Jahren.»


 

Sommer 2011 – Sommer 2012, 66 Minuten
Der Film ist als Bonustrack auf der DVD «77 Tage sind nicht genug»

Zweite Halb(werts)zeit im Glaubenskrieg um Mühleberg
Ein Film mit Stephanie Schärer, Ruedi Jungen, Tom Locher, Christa Ammann, Manuela Bächtold, Cecile Keller, Jürg Joss u.a.
Produktion, Regie, Kamera, Ton und Schnitt: Andreas Berger