Alarmierende Personalsituation im AKW Mühleberg

AKW Mühleberg Immer weniger Wissen und Erfahrung des Personals

Heute hat das ENSI den jährlichen Aufsichtsbericht über die Kernanlagen publiziert . Fokus Anti-Atom hat mit Besorgnis festgestellt, dass im AKW Mühleberg immer mehr erfahrenes Personal den Betrieb verlässt. Nicht von ungefähr hat das AKW die weitaus meisten Vorfälle der Schweizer Anlagen verzeichnet. Gravierender Wissensschwund für einen Weiterbetrieb „Die Personalfluktuation erreichte im Jahr 2013 einen Stand, welcher auf einen bedeutenden Verlust an werksspezifischem Wissen und Erfahrung hinweist.“ Dies schreibt das ENSI in seinem heute publizierten Aufsichtsbericht (Kap.2.7). Erfahrungen spielen in einem über vierzigjährigen AKW eine beutende Rolle. Jüngeres Personal ist mit der Technik der 1960-er Jahre zu wenig vertraut. Funktionsabläufe und technische Konstruktion unterscheiden sich erheblich von späteren Anlagen. Jürg Aerni, Präsident Fokus Anti-Atom: „Offensichtlich sind die Angestellten nicht mehr motiviert, auf einen Endzeitbetrieb hin zu arbeiten, was diesen umso gefährlicher macht.“ Nicht von ungefähr werden längst pensionierte Ingenieure als Berater beigezogen . Dies wiegt umso schlimmer, als auch auf der Ebene des Managements der Sicherheit zu wenig Beachtung geschenkt wird, wie kürzlich eine Expertengruppe der IAEA bei einer Kontrolle (OSART-Mission) bemängelt hat . Das ENSI hatte in seiner Beurteilung der zehnjährlichen Sicherheitsbeurteilung des AKW sogar den Verwaltungsrat kritisiert.

Im aktuell vorliegenden Jahresbericht 2013 des ENSI ist folgendes zu lesen: „Die Personalfluktuation erreichte im Jahr 2013 einen Stand, welcher auf einen bedeutenden Verlust an werksspezifischem Wissen und Erfahrung hinweist. Das KKM hat 2013 keine grösseren organisatorischen Änderungen vorgenommen.“
Im aktuell vorliegenden Jahresbericht 2013 des ENSI ist folgendes zu lesen: „Die Personalfluktuation erreichte im Jahr 2013 einen Stand, welcher auf einen bedeutenden Verlust an werksspezifischem Wissen und Erfahrung hinweist. Das KKM hat 2013 keine grösseren organisatorischen Änderungen vorgenommen.“

Medienmitteilung Fokus Anti-Atom: 2014_06_30-FAA-ENSIJahresbericht

 

24.7.2014 BZ AKW Mühleberg liefen Mitarbeiter davon
22.07.2014 srf Kein Personal fürs AKW
24.07.2014 AZ

Gibt es in den Aargauer AKW einen Fachkräftemangel?

24.07.2014 DerBund BKW braucht neue Leute für den Kommandoraum in Mühleberg
22.07.2014 Kein Personal fürs AKW
03.07.2014 AKW: Riskante Personalprobleme

 

Weiterführendes zu Personalproblemen in AKW

 

Ueli Jost (72) pensionierter Mühleberg Mitarbeiter in einem Beitrag des srf.ch rühmt sich noch regelmässig ins AKW gehen zu müssen. Dazu ein Text von Fredi Lerch: IV    Jetzt, wo das Risiko zunimmt, beginnt das Personal davonzulaufenVor einem Jahr hat das SRF-Fernsehmagazin «ECO» Ueli Jost porträtiert. «Von Beginn weg», also seit 1971, habe dieser Elektroingenieur im AKW Mühleberg gearbeitet und auch heute noch, mit 72 Jahren, sei er teilzeitig dabei. «Ich kenne die Anlage à fond, wie sie wahrscheinlich nur wenige kennen», sagte er stolz in die Kamera: Gegenüber Otto Normalverbraucher habe er einen gewaltigen Wissensvorsprung und könne die Anlage besser beurteilen «als jeder, der seine Informationen aus der Zeitung nehmen muss».  Man nickt ehrfürchtig: Wer über AKWs nur aus den Zeitungen informiert ist, hat keine Ahnung. Da spricht ein alter, weiser Mann zu Unwissenden, um – soweit es ihm sein Schweigegelübde erlaubt – anzudeuten, dass er über geheimes Herrschaftswissen verfügt. «Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden,
Als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.» Jaja.

 

Die OSART Mission im Oktober 2012 stellte im AKW Mühleberg fest das das Betriebspersonal hohe Überzeitsalden aufweist: „3.1 ORGANIZATION AND FUNCTIONS, The Operations department has a good succession plan in place. Although the 6 shift teams are currently well staffed for the normal daily operations, a limited number of people in Operations have a lot of overtime hours, mainly due to the yearly outage. The team encourages the plant to investigate how overtime hours can be avoided or reduced in the future.“

 

Auch dem ENSI leidet unter Personalmangel. Im ENSI-Rat Bericht 2013 steht: „Es kann mittelfristig schwierig werden, die notwendigen personellen Ressourcen zu rekrutieren, um so das notwendige Know-how für die Aufsichtstätigkeit zu erhalten.»

 

Im Tätigkeitsbericht des ENSI findet  folgender Hinweis zum Personalmangel: „Die Geschäftsleitung des ENSI entschied, den Aufsichts-, den Strahlenschutz- sowie den Erfahrungs-und Forschungsbericht14 aufgrund der im ENSI anstehenden Aufsichtstätigkeiten ressourcenbedingt rund zwei Monate später zu veröffentlichen.“

 

Die Pläne der Schweizer Atomlobby neue AKW zu bauen, welche im Kanton Bern im Jahr 2011 zur absurden Mühlebergersatz-Abstimmung führte, waren absurd. Schon damals erkannten sie selbst dass sie ungenügend Personal zum Bau von AKW hat.

Hier Links zu Vorträgen welche bereits 2010 (Planung von AKW-Neubauten) auf Personal-Ressourcenprobleme eingingen

Die Resun welche neue AKW in Beznau und Mühleberg (Seite 6+9) plante, hielt folgendes fest: „Herausforderungen einzelner Dimensionen, Ressourcen / Knowhow – Fachspezialisten heute sehr gesucht, in den Werken, bei Aufsichtsbehörden und für Neubauprojekte sowie in der Entwicklung.“

Die Alpiq welche ein neues AKW in Gösgen (Seite36) bauen wollte, stellte  fest es fehlen Personen bei Aufsicht und Entwicklung.

„- Lack of people in the safety authorities (ENSI)
– Lack of people in the research centers (PSI, …)“

 

 Auch Beznau hat Personalprobleme!

Da hat die Aargauerzeitung ungenügend Recherchiert. Auszug aus dem ENSI Jahresbericht 2013: „Die in früheren Aufsichtsberichten des ENSI angesprochenen Personalfluktuationen in der Leitung des operationellen Strahlenschutzes waren auch im Berichtsjahr 2013 ein Thema.“

Erdbeben in Mühleberg: Der Wohlensee-Staudamm bricht

Querschnitt durch Wohlenseedamm
Querschnitt durch Wohlenseedamm

Medienmitteilung: Fokus Anti-Atom, 2011.11.11

Hintergrundpapier: 2011_11_11-FAA-KKM-ErdbebenDamm

In einer im April 2011 in den USA vorgestellten Studie im Auftrag der BKW rechnen die Autoren vor, dass der
Wohlenseestaudamm zwar robuster ist als bisher angenommen; trotzdem hält er bei einem anzunehmenden
10’000-jährlichen Erdbeben nicht. Fokus Anti-Atom evaluiert rechtliche Schritte gegen die chronische
Vorgehensweise des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI, immer wieder neue Rechnungen
anstellen zu lassen, statt bei Erkennung einer unzulässigen Gefahr das AKW ausser Betrieb zu nehmen. Seit 2004
weiss man um die unmittelbare Gefährdung des AKW Mühleberg durch die Wohlensee-Staumauer.
Der Wohlensee-Staudamm liegt 1,2 Kilometer oberhalb des AKW Mühleberg. Bricht dieser wegen einem
Erdbeben, sind sämtliche Ansaugstutzen in der Aare für die Notkühlung des Reaktors durch Verstopfungen und
Flutwellen akut gefährdet. Mühleberg verfügt als einziges AKW der Schweiz über kein alternatives Kühlsystem.
Im April 2011 wurden Resultate einer von der BKW in Auftrag gegebenen Studie zu den Erdbebengefährdungen
des Staudamms publiziert.1 Herausstechend sind vier Punkte, welche in der Studie erwähnt werden:
• Die aktuell berechneten und heute gültigen horizontalen Kräfte bei einem 10’000-jährlichen Erdbeben betragen
0,387g (wobei g die Erdbeschleunigung 9,81 m/s2 bedeutet). Gesetzlich sind die Betreiber verpflichtet, ein
solches Erdbeben zu beherrschen (Seite 1203, letzte drei Zeilen).
• 2005 hat die BKW gerechnet, dass die seismische Kapazität, also die Widerstandsfähigkeit des Damms, 0,24g
beträgt. Für das ENSI war das zu wenig. Es liess nochmals nachrechnen (Seite 1197, letzter Abschnitt). – In der
vorgestellten Studie zeigen nun die Autoren, wie diese Kapazität durch verfeinerte Rechenmodelle auf 0,85g
berechnet wurde (Seite 1200, Tabelle 1).
• Im Laufe der Lektüre sieht man aber, dass sich diese Angaben der Widerstandsfähigkeit nicht auf ein
verlässliches Kriterium für die Sicherheitsreserven beziehen, sondern nur auf Mittelwerte. Ein solches Kriterium
ist die HCLPF (High Confidence of Low Probability Fragility), welche Folgendes besagt: Ein Bauwerk hat bei
einem anzunehmenden Erdbeben genügend Sicherheitsreserven, wenn die Versagenswahrscheinlichkeit unter
1% liegt. Das anzunehmende Erdbeben am Standort Mühleberg ist das 10’000-jährliche Beben mit einer Stärke
von 0,387g. Dieses Kriterium der HCLPF wurde in den 1980er-Jahren von den US-Nuklearbehörden und später
auch von der Internationalen Atomenergieagentur IAEA angewendet. Heute ist es Standard und wird auch im
Bericht des ENSI zu den Stresstests erwähnt.
• Am Schluss der Präsentation der Studie erfährt man endlich etwas über diese HCLPF. Sie beträgt für den
Wohlensee-Damm 0,3g (Seite 1212). Das 10’000-jährliche Erdbeben von 0,387g liegt somit deutlich über der
Sicherheitslimite. Der Damm verfügt über keine Reserven. Konkret bedeutet das:
Der Damm wird bei einem 10’000-jährlichen Erdbeben mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 15 brechen.
Das Verhalten des ENSI ist unerträglich
• 2004 wird die umfassende PEGASOS-Erdbebenstudie zu den AKW-Standorten in der Schweiz fertig gestellt. Die
Erdbeben waren bis dahin um das Zwei- bis Dreifache unterschätzt worden. Etliche Notsysteme im AKW
Mühleberg sind nach wie vor nicht einmal gemäss alten Erdbebenannahmen geschützt.
• 2006 lässt das ENSI Rechnungen der Betreiber – angeblich temporär – zu, welche um 20% verminderte
Erdbebenkräfte annehmen, was unter dem Namen „Pegasos Refinement Project“ segelt. Der Vorschlag kam von
den Betreibern.
• Gemäss verschiedenen Quellen sollte dieses Refinement Project, bis 2011 abgeschlossen sein.
• Im März 2011 erlässt das ENSI die „Fukushima-Verfügungen“. Darin lässt es den Betreibern nochmals bis 31.
März 2012 Zeit, die Erdbebengefährdungen – inklusive Staudammbruch – durchzurechnen.
• Im September 2011 publiziert das ENSI den Statusbericht zu den Vorgaben der EU-Stresstests. Darin verlangt
es von den Betreibern lediglich die Nachweise für die alten Erdbebenwerte, welche in Mühleberg 0,15g betragen.
• Das AKW Mühleberg verfügt als einziges Werk der Schweiz über kein alternatives Kühlsystem. Dies ist aber
state of the art. Obwohl dies von der Gegenseite seit Jahren gefordert wird, wurde nie etwas unternommen.
Seit mehr als 7 Jahren verschleppt das ENSI eine seriöse Behandlung der Erdbebengefahr. Aus einer
realen Gefahr macht es ein endloses und immer von Neuem revidiertes Forschungsprojekt.
Die letzten Monate haben gezeigt, dass Mühleberg nur mit Ad-hoc-Einrichtungen und mühsamen
Nachrechnungen, welche nicht publiziert werden, den geforderten Stand an ein Alt-AKW bewerkstelligen kann.
Dies kann so nicht weiter gehen. Das AKW gehört abgeschaltet. Fokus Anti-Atom erwägt neue rechtliche Schritte.
Kontakte: Jürg Aerni 076 508 46 91   Jürg Joss 079 330 06 60

1 Y. Ghanaat et al.: „Seismic Fragility of Mühleberg Dam using nonlinear analyses with Latin Hypercube Simulation“; 2011
http://ussdams.com/proceedings/2011Proc/1197-1212.pdf

ENSI PR Abteilung der BKW

Fokus Anti-Atom Schreibt dem ENSI einen Brief

Artikel auf ensi.ch zum Kernmantel des AKWs Mühleberg vom 8. Juli 2011
„Mit Verwunderung nehmen wir Ihre Meldung auf ensi.ch zum Kernmantel im AKW Mühleberg (KKM) zur Kenntnis. Sie zeigen damit nicht nur, dass Sie sich verpflichtet fühlen, die Rolle des Betreibers zu übernehmen, sondern auch, dass Ihnen daran gelegen ist, die Sicherheitsfunktionen des Kernmantels gegenüber der Öffentlichkeit zu unterschlagen. Deshalb erlauben wir uns, nachfolgend einige Kritikpunkte an ihrer Publikation, welche offensichtlich überhastet publiziert wurde, anzufügen: “

Weiterlesen: 2011_07_10_FAA-ENSI_Brief       Brief Fokus Anti-Atom an ENSI

2011_07_09_ENSI_Risse_KKM   Publikation auf der ENSI Homepage