Abstimmungs-Bilanz der Aktion Mühleberg stillegen (AMüs), 24. 09. 2000

Abstimmungs-Bilanz
Dieses Abstimmungswochenende vom 24. September 2000 war eine ökologische Katastrophe. Für die siechende Natur mit überschwemmungen und Orkanen, für die Asthmakinder und allergieerkrankten Menschen gibt es nur eine Ursache: menschliches Versagen. Dieses ist angeheizt worden durch Kampagnen, die teuer, plakativ und verlogen waren. Bakunins sozialrevolutionärer Satz gesellschaftlicher Dialektik, "Die Lust der Zerstörung ist eine schaffende Lust", hat sich verkehrt in die endzeitliche Tautologie: "Die Lust der Zerstörung ist eine zerstörende Lust."
Die Kritik an der bürgerlichen Demokratie hat vor langer Zeit entlarvt, dass sich Abstimmungen mit Geld gewinnen lassen. Erstaunen ist hier fehl am Platz, Empörung jedoch nicht. Es ist richtig, noch eine Beschwerde gegen die un- verhältnismässige BKW-Kampagne anzustrengen. Seit der sehr früh gestarteten 3xNein-Kampagne auf nationaler Ebene war zu erahnen, welches Niveau (inhaltlich und finanziell) auch im Kanton geboten würde. Dagegen hatten wir anzukämpfen. Der Einsatz war gross, unermüdlich und vielfältig, die Bündnisse haben getragen - an dem hat es nicht gelegen.

Die Ausgangslage
Verschiedene Faktoren haben für uns gesprochen: Die Mühleberg-Abstimmung von 1992 hatten wir gewonnen. Seither ist das AKW 8 Jahre älter geworden, und es sollte doch einleuchten, dass eine Maschine irgendwann an ihre Grenzen kommt. Zudem hatte die Politik in der BRD mit Wirtschaft und AKW-Betreibern eine durchschnittliche Lauf- zeit von 321/2 Jahren ausgehandelt. Die 30 Jahre für das AKW Mühleberg waren damit durchaus salonfähig gewor- den.
Gegen uns sprachen zunächst abstimmungstechnische Gründe: Den berühmten Nein-Sockel (eine beträchtliche Anzahl Leute, die prinzipiell Nein stimmt) hatten wir diesmal nicht. Zudem musste Ja sagen, wer Nein zu Mühleberg sagt.
Entscheidend dürften allerdings die irrationalen Versorgungsängste gewesen sein, welche - demagogisch und ohne Fakten - angeheizt worden sind. Der SP, welche über die wahren Fakten verfügt, ist es leider nicht gelungen, Dori Schaer zu neutralisieren. So konnte diese die finanziellen Nöte des Kantons mit der BKW-Fehlplanung vermischen und mit einem "Schuldenloch BKW" drohen. Das Atomrisiko, welches sie einst als Grossrätin vorgetragen hatte, qualifizierte sie als "politisches Taktieren" ab. Womit die atomare Bedrohung zum Macht-Spielchen wird.
Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück
Wir wissen jetzt wieder, wo wir stehen.
Das Abstimmungsergebnis ist bieder brutal, aber immerhin hat die Stadt Bern der Initiative zugestimmt. Dies können wir als AMüs als Erfolg werten, denn hier sind wir "zu Hause". Vor 14 Jahren sind wir angetreten mit der Forderung nach einer sofortigen Stilllegung, und da hatten wir vielleicht 5 bis 10% hinter uns. Heute, mit der zunehmenden Alte- rung der AKW und nach unseren Kämpfen um Risse und unzureichende "Schutz"vorrichtungen, geht es endlich um Mehrheiten.
Stadt Bern ein Zufallsresultat? Vielleicht schon. Doch der Vergleich mit anderen fortschrittlichen Städten wie Biel und Burgdorf zeigt uns, dass eine sechsmonatige Abstimmungskampagne eine konstante Anti-Atom-Arbeit nicht erset- zen kann. Dass sie nicht Mehrheiten auf einem so schwierigen Feld schaffen kann. Die ständige physische Präsenz von Leuten, welche die AKW problematisieren - und nicht abstrakt und schwächlich für einen Ausstieg am Sankt- Nimmerleinstag eintreten, ist unverzichtbar.
Und wieder einer nach vorn
Es war korrekt, als AMüs den Kampf nicht allein auf die Abstimmung auszurichten, sondern eine weiterreichende Kampagne zu führen.

Der Anti-Atomkampf ist nicht mehr die bunte und breite Bewegung der 70er und 80er Jahre. Aber wir Basis-Leute haben uns damals wie heute in der direkten Auseinandersetzung der BKW und staatlichen Risiko-Experten gestellt. Die letzten sind mehr im öffentlichen Licht als noch vor 10 Jahren. Wir nehmen kein Blatt mehr vor den Mund und haben kein Interesse an geheimen Verhandlungen. Die Demokratie der verschlossenen Türen ist uns genauso ein Gräuel wie das Diktat des Geldes über die mögliche Vermeidung von Grossrisiken.

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