{"id":1191,"date":"2017-05-20T12:00:04","date_gmt":"2017-05-20T10:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fokusantiatom.ch\/?p=1191"},"modified":"2018-08-11T16:34:24","modified_gmt":"2018-08-11T14:34:24","slug":"energiestrategie-2050","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/?p=1191","title":{"rendered":"Energiestrategie 2050"},"content":{"rendered":"<h4>Im Mai 2017 stimmte die Schweizer Stimmbev\u00f6lkerung zur Energiestrategie 2050 ab.\u00a0Die b\u00e4rner studizytig hat im Vorfeld zwei Experten zur Gesetzesvorlage befragt, die in der Debatte um die Kernenergie von unterschiedlicher Perspektive her argumentieren.\u00a0Horst-Michael Prasser, Professor f\u00fcr Kernenergiesysteme an der ETH Z\u00fcrich und\u00a0J\u00fcrg Joss, Automationstechniker, Fokus Anti-Atom.<\/h4>\n<hr \/>\n<h1><a style=\"font-size: 1.0625rem;\" href=\"http:\/\/www.studizytig.ch\/netzklusiv\/ein-fairer-kompromiss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein fairer Kompromiss?<\/a><\/h1>\n<div class=\"meta\"><a class=\"author url fn\" title=\"Artikel von Noah Pilloud\" href=\"http:\/\/www.studizytig.ch\/author\/noah-pilloud\/\" rel=\"author\">Noah Pilloud<\/a> und\u00a0<a class=\"author url fn\" title=\"Artikel von Linda Schweizer\" href=\"http:\/\/www.studizytig.ch\/author\/linda-schweizer\/\" rel=\"author\">Linda Schweizer<\/a>20. Mai 2017<\/div>\n<div class=\"single_content\">\n<h4>Morgen wird sich die Schweizer Stimmbev\u00f6lkerung zur Energiestrategie 2050 \u00e4ussern. Die b\u00e4rner studizytig hat deshalb zwei Experten zur Gesetzesvorlage befragt, die in der Debatte um die Kernenergie von unterschiedlicher Perspektive her argumentieren.<\/h4>\n<h4><\/h4>\n<p>Wandelt man diese Tage durch die Bahnh\u00f6fe des Landes, f\u00fchlt man sich in den Sp\u00e4therbst vorigen Jahres zur\u00fcckversetzt: Kohlestrom, Stromimporte, Stromausf\u00e4lle. Dieselben Schlagw\u00f6rter wie bei der Atomausstiegsinitiative prangen an den W\u00e4nden. Angesichts des emotional aufgeladenen Themas \u201eAtomkraftwerke\u201c verwundert es nicht, dass auch die Debatte zur Energiestrategie 2050 prim\u00e4r \u00fcber die Kernkraft-Diskussion gef\u00fchrt wird. Sie werde jedoch zu emotional gef\u00fchrt, findet Horst-Michael Prasser, Professor f\u00fcr Kernenergiesysteme an der ETH Z\u00fcrich, sollte doch das eigentliche Ziel einer Energiestrategie die Abkehr von fossilen Energietr\u00e4gern sein.<\/p>\n<p>Die durch den Fukushima-Effekt hervorgerufene Stimmung gegen Atomkraftwerke betrachtet er kritisch, denn sie f\u00fchre dazu, dass Gefahren und Probleme, die von anderen Energien ausgehen, missachtet werden. J\u00fcrg Joss vom Verein \u201eFokus AntiAtom\u201c hingegen findet, die Erkenntnisse aus dem Reaktorunfall in Fukushima seien schon zu sehr in Vergessenheit geraten, und Entscheide von damals\u00a0 teils r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Die Atomenergie befinde sich zudem im Abstieg: Baukosten und Bauzeit neuer Reaktortypen stiegen und die grossen Energieproduzenten der Schweiz seien nicht mehr daran interessiert, neue Atomkraftwerke zu bauen.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob der Betrieb von Kernkraftwerken sicherheitstechnisch heute noch verantwortbar sei, verweist Joss auf das Alter der Schweizer Reaktoren. Beim Bau das Atomkraftwerks Beznau wurde seinerzeit minderwertiger Stahl f\u00fcr den Bau des Reaktordruckgef\u00e4sses verwendet und M\u00fchleberg leide seit bald dreissig Jahren an einem korrodierten Kernmantel. \u00abHeute gilt es als vern\u00fcnftig, die \u00e4ltesten AKWs der Welt nicht abzuschalten, obwohl sie unter Alterungsproblemen leiden\u00bb. Nicht zu verantworten ist laut Horst-Michael Prasser hingegen ein Ausstieg aus der Kernenergie.<\/p>\n<p>Die Schweiz gebe ein schlechtes Vorbild ab, wenn sie als ein technologisch hochentwickeltes Land mit einer sehr guten Sicherheitskultur im Kernenergiebereich \u00abfalsche Signale\u00bb aussende. So k\u00f6nnten seit zwei Jahrzehnten Reaktortypen mit passiven Sicherheitssystemen, die keine externe Energiezufuhr ben\u00f6tigen, gebaut werden. Einen Ausfall der Sicherheitssysteme, wie ihn die Kernschmelze in Fukushima ausgel\u00f6st hatte, k\u00f6nnte in dieser Weise also nicht mehr passieren.<\/p>\n<p>Die Frage nach der Endlagerung von atomaren Abf\u00e4llen beantwortet Prasser mit Optimismus: \u00abDie Tiefenlagerung der radioaktiven Abf\u00e4lle in der Schweiz wird gel\u00f6st werden.\u00bb Wie das geschehen soll, l\u00e4sst er offen. Die Endlagerung im Opalinuston sei allerdings ein \u00fcberzeugendes Konzept. J\u00fcrg Joss gibt jedoch zu bedenken, dass \u00fcber diese Methode noch zu wenig bekannt sei, so k\u00f6nne etwa erst mithilfe von Erkundungsstollen abschliessend gekl\u00e4rt werden, ob sich die Gesteinsschicht ausreichend ruhig verhalte, um radioaktive Abf\u00e4lle zu beherbergen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Prasser jedoch sind die bisher bekannten Eigenschaften des Opalinustons \u00fcberzeugend genug. Ebenfalls zur Gen\u00fcge erforscht sei die Nachzerfallsw\u00e4rme. Sie f\u00fchrt zu einer Erhitzung der Lagerbeh\u00e4lter und erh\u00f6ht deren Korrosionsgefahr. Die Bedingungen im Opalinuston, sowie grossz\u00fcgige Sicherheitsmargen, sorgen laut Prasser jedoch daf\u00fcr, dass dies nicht geschehe. Joss weist dennoch auf ein verbleibendes Sicherheitsrisiko hin.<br \/>\nIm Bereich der erneuerbaren Energien sieht Prasser dringenden Bedarf an Erweiterung, besonders aufgrund ihrer Umweltfreundlichkeit. Dass die billigen Produktionskosten der Kernenergie der Entwicklung von erneuerbaren Energien im Weg stehen, findet der ETH-Professor nicht und verweist auf fossile Energietr\u00e4ger als scheinbar einzige Alternative, um die vom Atomstrom hinterlassene L\u00fccke zu f\u00fcllen. Erneuerbare Energien liessen zudem noch viele Fragen unbeantwortet, so Prasser weiter. Etwa bei der Speicherung der Energie, wof\u00fcr nicht gen\u00fcgend Lithium vorhanden sei, verbrauche doch die \u201eGigafactory\u201d von Tesla 30 % der j\u00e4hrlich weltweit gef\u00f6rderten Lithium-Menge. Die 35 Gigawattstunden, die Tesla damit speichere, entspr\u00e4chen dem europ\u00e4ischen Stromverbrauch von weniger als einer Stunde. Weiter, gibt der ETH-Professor zu bedenken, entst\u00fcnden auch bei der Produktion von Photovoltaikzellen giftige Abf\u00e4lle, weshalb er Kernkraft als genauso sauber wie erneuerbare Energien erachte.<\/p>\n<p>Joss sieht Batterien nur mittelfristig als Speicherl\u00f6sung, der Grossteil der Energie gehe im Moment in Wasser-Speicherkraftwerke . Langfristig w\u00fcrden aber andere Systeme als Speicherl\u00f6sungen wichtig. Dazu z\u00e4hlt er Luftdruckspeicher, nennt aber auch die Biomethanisationsanlagen, die sich seiner Meinung nach durchsetzen werden. Batterien w\u00fcrden ausserdem auch in AKWs f\u00fcr den Notstrombetrieb eingesetzt und seien neben Stahl und Beton Teil der Giftabf\u00e4lle, die bei der Herstellung von Atomstrom entst\u00fcnden. Deshalb sei die Gleichstellung von Solarpanelen mit Atomabf\u00e4llen \u201eeine masslose \u00dcbertreibung.\u201c Einerseits k\u00f6nnten die Materialien der Photovoltaikzellen zum grossen Teil wiederverwendet werden, andererseits entst\u00fcnden nicht nur in den AKWs selbst, sondern auch beim Abbau des Urans, toxische Abf\u00e4lle. Eine Produktion von Energie, die keinen Abfall verursacht , ist Joss zu folge ohnehin nicht m\u00f6glich, darum sei es wichtig, in erster Linie einen effizienteren Energieverbrauch anzustreben, denn das Sauberste sei noch immer, so wenig Strom wie m\u00f6glich zu produzieren.<br \/>\nEinig werden sich die Experten wohl nur darin, dass die Vorlage ihren Vorstellungen nicht gerecht wird. Kommendes Wochenende wird also \u00fcber eine Energiestrategie abgestimmt, mit der beide Lager wenig anfangen k\u00f6nnen. Insofern folgt sie der Tradition des gutschweizerischen fairen Kompromisses, der niemanden zufriedenstellt.<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fokusantiatom.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/2017_05_studiBE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag als *.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mai 2017 stimmte die Schweizer Stimmbev\u00f6lkerung zur Energiestrategie 2050<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1191","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1191"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1196,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1191\/revisions\/1196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}