{"id":1751,"date":"2021-03-10T13:00:00","date_gmt":"2021-03-10T12:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fokusantiatom.ch\/?p=1751"},"modified":"2021-03-10T13:41:49","modified_gmt":"2021-03-10T12:41:49","slug":"im-10ten-jahr-nach-dem-fukushima-super-gau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/?p=1751","title":{"rendered":"Im 10ten Jahr nach dem Fukushima Super-GAU"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus Atomkatastrophen nichts gelernt!<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach dem 2ten Weltkrieg wurde die Atomkraft der Atombombe zu \u00abAtoms for Peace\u00bb<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> umgewandelt. Die Protagonisten verk\u00fcndeten, Atomstrom sei \u00abZu billig, um zu messen\u00bb<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> und diene fortan nur dem Frieden. G\u00fcnstig war er, weil die Entwicklung der Atomenergie auch den Ausbau der Atomwaffenarsenale erlaubte und deshalb vom Milit\u00e4r subventioniert wurde und man sich noch keine Gedanken um den R\u00fcckbau der Atommeiler und Entsorgung der radioaktiven Abf\u00e4lle machte. Auch in der Schweiz ging die Inbetriebnahme von Atomreaktoren mit Milit\u00e4rischen Interessen einher. Der Bundesrat bekannte sich 1958 zur Entwicklung der Atomwaffe.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Heute sind wir in der Phase der Verl\u00e4ngerung von Betriebsbewilligungen f\u00fcr \u00fcberalterte Atomkraftwerke. Die Kosten f\u00fcr den R\u00fcckbau steigen und die Entsorgung ist noch immer nicht gel\u00f6st. Der Uralt-Reaktor M\u00fchleberg, baugleich den Fukushima Reaktoren, wurde geopfert; Ende 2019 ging er ausser Betrieb. Daf\u00fcr laufen die weit \u00e4lteren AKW Beznau I + II aber unbescholten weiter. Aber auch die AKW-G\u00f6sgen (1979) und Leibstadt (1984) sind bereits \u00fcber 36-Jahre am Netz und wie es aussieht werden sie noch bis 2035 weiterbetrieben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Nuklearlobby werkelt an ihrer Wiedergeburt<\/h2>\n\n\n\n<p>Wieso bleiben die Reaktoren am Netz? Nicht weil sie wie 1954 von der internationalen Atomenergie Organisation behauptet billigen Atomstrom liefern. Nein, weil wir vor gewaltigen Aufgaben stehen, welche nicht angedacht waren, der R\u00fcckbau und die Entsorgung der AKW, problematische Emissionen auch im \u00abNormalbetrieb\u00bb. Wie reagieren die Betreiber: Abschalten verz\u00f6gern und weiter nach Entsorgungsl\u00f6sungen forschen!<\/p>\n\n\n\n<p>Tschernobyl und Fukushima zeigten was ein SuperGAU anrichten kann, also braucht es neue Argumente f\u00fcr den Atombetrieb. Heute ist es nicht der billige Atomstrom, der ist n\u00e4mlich zwischenzeitlich nicht mehr billig, nein, auf den Klimawandel springen die Lobbyisten auf! Teilweise wird gar behauptet dass Atomstrom kein CO2 emittiert. Die etwas Ehrlicheren sprechen von \u00abfast kein CO2 bei der Atomenergieproduktion\u00bb in der Schweiz. Verschwiegen wird jedoch die gewaltige Kette der Atomenergie, vom Uranabbau zur Raffinierung und Anreicherung, dem Herstellprozess bis zum fertigen Brennstab, der Brennelementherstellung, den Transporten, den riesigen Mengen an radioaktiven Abf\u00e4llen, dem Ausbaggern der Endlager, dem Energieaufwand zur Atomabfall-Wiederaufarbeitung usw.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Risikodiskussion<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> am Schweizer TV erkl\u00e4rte eine Physikerin und Technikethikerin, dass Atomenergie f\u00fcr den \u00dcbergang zur Klimafreundlichen Stromproduktion durch die alternativen Energieerzeugungsanlagen wie Wind und Sonne und zur Stabilisierung dieser dienen sollte. Was w\u00fcrde \u00abAKW als \u00dcbergangsenergie\u00bb f\u00fcr die Schweiz in Realit\u00e4t bedeuten: hochriskanter Betrieb der AKW G\u00f6sgen und Leibstadt mit bis zu 80 Jahren Laufzeit. Also so ungef\u00e4hr bis ins Jahr 2050. Denn neue AKW kann sich die Schweiz kaum leisten, sich im Bau befindende Atomreaktoren in Frankreich, Finnland und Grossbritannien zeigen, dass die Milliardenbudgets \u00fcberborden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kleine Reaktoren sollen es regeln: \u00abSmall Modular Reactor\u00bb SMR<\/h2>\n\n\n\n<p>Dass die Kosten f\u00fcr neue Reaktoren \u00fcberborden hat die Atomlobby erkannt. Sie entwickelt eine Antwort, kleine modulare Reaktoren. Die Idee: Kleine AKW f\u00fcr St\u00e4dte mit Leistungen bis zu 100MW zu bauen (rund 3,5 x kleiner als das AKW M\u00fchleberg) und somit ein kleineres Risiko zu \u00abhandeln\u00bb. Wieder einmal wird kleines Risiko versprochen, aber auch ein kleines AKW beinhaltet Kernspaltmaterial, welches f\u00fcr Terroristen interessant ist und es braucht an jedem Standort spezialisiertes Personal was auch eine gr\u00f6ssere Aufsichtsbeh\u00f6rde bedeutet. Und schliesslich gibt es dann von jeder Stadt zum Zwischenlager Transporte, die w\u00e4ren dann so oft unterwegs wie Post-LKWs. Immer noch w\u00e4re radioaktives Material zu entsorgen, in der Gesamtheit mit dem R\u00fcckbau wieder gleichviel wie bei den bestehenden AKW. Nach dem Motto \u00abKleinvieh macht auch Mist\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der kein \u00abAtom-Ausstieg\u00bb<\/h2>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6sste Problem der Schweizer Atomtechnologie: Wir haben kein Ausstiegsprogramm. Als sich 2011 der SuperGAU in Fukushima (11.03.2011) ereignete verk\u00fcndete die damalige Bundesr\u00e4tin Leuthard im Namen des Bundesrates einen Plan zum Atomausstieg, welcher nicht in die Realit\u00e4t umgewandelt wurde. In der NZZ vom 26. Mai 2011 stand: \u00abAn einer Klausursitzung hatte die Landesregierung zuvor beschlossen, schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen. Die bestehenden Atomkraftwerke sollen noch bis zum Ende ihrer Laufzeit Strom produzieren, danach aber ersatzlos vom Netz genommen werden. Damit m\u00fcssten die AKW Beznau und M\u00fchleberg 2019 und 2022, die Meiler in G\u00f6sgen und Leibstadt 2029 und 2034 vom Netz genommen werden.\u00bb Unter Laufzeit verstand der Bundesrat damals \u00ab50 Jahre\u00bb. Die Termine sind verstrichen und bis heute ist nicht klar, wann die AKW wirklich vom Netz gehen werden, nicht einmal f\u00fcr das \u00e4lteste AKW Europas Beznau I ist ein Abschalttermin angesagt. Eigentlich h\u00e4tte Beznau bis 2018 seinen Sicherheitsbericht<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> f\u00fcr den Langzeitbetrieb vorlegen m\u00fcssen, das ENSI akzeptiert dessen Versp\u00e4tung um Jahre. Das AKW Beznau (1969) wird dieses Jahr 52 Jahre am Netz sein, es ist zu vermuten, dass das ENSI dieses Sicherheitsrisiko bis zu 60 Jahren weiterbestehen l\u00e4sst. Neue AKW werben mit mehrfachen unabh\u00e4ngigen gebunkerten Sicherheitssystemen, eigensichern K\u00fchlsystemen, \u00abCoreCatcher\u00bb Kernschmelzauffangfl\u00e4che usw. Nichts von alledem k\u00f6nnte Beznau nachr\u00fcsten, es ist und bleibt ein Reaktor konstruiert in einer Zeit weit vor dem Tschernobyl GAU und vor dem Brand im AKW M\u00fchleberg welcher International zu Brandschutzmassnahmen bei der Planung sp\u00e4terer AKW ausl\u00f6ste.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die L\u00f6sung, Atom-Ausstieg!<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Weiterbetrieb der schweizerischen Atomreaktoren behindert die Energiewende, anstelle von Investitionen in die Alternativen Energien und der Anpassung unseres Konsumverhaltens. So kriegen Grossverbraucher ihren Strom immer noch g\u00fcnstiger als jene welche damit sorgsam umgehen und Investitionen in die Alternativenergien steigen nur langsam an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Atom-Lobby kennt den \u00abTrumpismus\u00bb l\u00e4nger als die USA, mit immer neuen L\u00fcgen wird versucht das Leben der AKW zu verl\u00e4ngern. Was wir heute brauchen sind Ansagen zur Laufzeit der Atomanlagen, dies bietet auch Investitionssicherheit. Es muss klar angesagt werden welche AKW mit welchen Nachr\u00fcstungen bis zu welchem Betriebsjahr weiterlaufen d\u00fcrfen, insofern sie dem Stand der Technik entsprechen. Die von den Bundesinstanzen und der Aufsichtsbeh\u00f6rde ENSI beschw\u00f6rte Regel \u00abSolange Sie sicher sind d\u00fcrfen sie weiterbetrieben werden\u00bb muss fallen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fokus Anti-Atom verlangt vom Bundesrat:<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Festgesetzte Termine f\u00fcr den Atomausstieg f\u00fcr alle Schweizer AKW!<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Umgehende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Atoms for Peace&nbsp;(\u201eAtome f\u00fcr den Frieden\u201c) ist der Titel einer Rede, die der&nbsp;US-amerikanische Pr\u00e4sident&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dwight_D._Eisenhower\">Dwight D. Eisenhower<\/a>&nbsp;am 8. Dezember 1953 vor der&nbsp;UN-Vollversammlung&nbsp;in New York City hielt. <a href=\"https:\/\/www.iaea.org\/about\/history\/atoms-for-peace-speech\">https:\/\/www.iaea.org\/about\/history\/atoms-for-peace-speech<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nrc.gov\/docs\/ML1613\/ML16131A120.pdf\">https:\/\/www.nrc.gov\/docs\/ML1613\/ML16131A120.pdf<\/a> \u00abto cheap to meter\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/dodis.ch\/16065\">https:\/\/dodis.ch\/16065<\/a> \u00abErkl\u00e4rung zur Frage der Beschaffung von Atomwaffen f\u00fcr unsere Armee.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Rafaela Hillerbrand \u2013 Ethik des Risikos:&nbsp; https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/sternstunde-philosophie\/video\/rafaela-hillerbrand&#8212;ethik-des-risikos?urn=urn:srf:video:c8acde29-c82e-4b35-b5f2-4bc6580b8e4a<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> https:\/\/www.ensi.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/12\/ENSI_KKW_Beznau-PSU-final.pdf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Atomkatastrophen nichts gelernt! Nach dem 2ten Weltkrieg wurde die<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1761,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45,103,86,49],"tags":[102],"class_list":["post-1751","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beznau","category-ensi","category-goesgen","category-leibstadt","tag-ensi-goesgen-leibstadt-beznau"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1751"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1751\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2242,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1751\/revisions\/2242"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}