{"id":2735,"date":"2025-01-24T22:20:45","date_gmt":"2025-01-24T21:20:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/?p=2735"},"modified":"2025-02-02T09:34:27","modified_gmt":"2025-02-02T08:34:27","slug":"radioaktivitaet-im-zuerichsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/?p=2735","title":{"rendered":"Radioaktivit\u00e4t im Z\u00fcrichsee"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine Chemiefabrik in Uetikon am See hantierte rund 200 Jahre lang mit radioaktiven Stoffen. Nun soll das Gel\u00e4nde \u00fcberbaut werden. Ein Fachmann warnt vor Radium \u2013 und l\u00e4uft auf.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Beobachter.ch, 23.01.2025 und blick.ch, 23.01.2025<\/strong>, Thomas Angeli<br>Radioaktivit\u00e4t im Z\u00fcrichsee \u2013 und das Amt will nichts wissen<br>Eine Chemiefabrik in Uetikon am See hantierte rund 200 Jahre lang mit radioaktiven Stoffen.<br>Nun soll das Gel\u00e4nde \u00fcberbaut werden. Ein Fachmann warnt vor Radium \u2013 und l\u00e4uft auf.<br>Es k\u00f6nnte gerade besser laufen an der Z\u00fcrcher Goldk\u00fcste. \u00abChance Uetikon\u00bb heisst das<br>Grossprojekt auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Chemiefabrik mit direktem Seeanstoss. Doch<br>im Moment geht praktisch nichts. Geplant sind eine neue Kantonsschule, ein Seepark,<br>Luxuswohnungen \u2013 und eine umfassende Sanierung des Uferbereichs. Denn die auf S\u00e4ure und<br>D\u00fcnger spezialisierte \u00abChemische\u00bb hatte ihre Abw\u00e4sser jahrzehntelang in den Z\u00fcrichsee<br>gepumpt. Und damit unter anderem Arsen, Blei und weitere Schwermetalle. Genau diese<br>Altlasten verz\u00f6gern im Moment die Neugestaltung des attraktiven Areals.<br><strong>Die Methode \u00abKies dr\u00fcber\u00bb<\/strong><br>Zwar sind 80 Prozent der Fl\u00e4che mittlerweile saniert. Doch in Ufern\u00e4he kamen immer<br>gr\u00f6ssere Mengen problematischer Altlasten zum Vorschein. Die Z\u00fcrcher Baudirektion<br>beschloss deshalb, bloss die obersten eineinhalb Meter des verseuchten Materials abzutragen<br>und den Rest mit rund 60\u2019000 Tonnen Kies zu bedecken.<br>Diese sogenannte \u00dcbersch\u00fcttung rief jedoch die \u00abLobby f\u00fcr Uetikon\u00bb auf den Plan, eine<br>Gruppe von Einheimischen, die eine nachhaltige Sanierung des Seegrunds fordert. Die<br>\u00abLobby\u00bb zog den Fall vor das kantonale Baurekursgericht und konnte im Oktober 2024 einen<br>ersten Erfolg verbuchen: Das Gericht entschied, dass es f\u00fcr das Vorhaben der Baudirektion<br>weitere Abkl\u00e4rungen braucht.<br><strong>Weiter untersuchen, fordert der Strahlenfachmann<\/strong><br>Die \u00abLobby f\u00fcr Uetikon\u00bb jubelte \u2013 nur einer nicht: Marco B\u00e4hler. Der diplomierte<br>Strahlenfachmann kritisiert, dass der Kanton keine weiteren radiologischen Untersuchungen<br>durchf\u00fchren will.<br>Zwar lagen bei den bisherigen Sondierbohrungen im See alle Strahlungswerte unter der<br>sogenannten NORM-Befreiungsgrenze f\u00fcr nat\u00fcrlich vorkommende Radionuklide (Naturally<br>Occurring Radioactive Material, NORM). Doch solange man keine weiteren Untersuchungen<br>durchf\u00fchrt, wisse man auch nicht, wo genau sich welche \u2013 unter Umst\u00e4nden gef\u00e4hrlichen \u2013<br>Mengen Radium im See vor Uetikon anreicherten, kritisiert B\u00e4hler. Denn der radioaktive<br>Stoff kommt im Phosphatmineral vor, das f\u00fcr die einst in Uetikon produzierten D\u00fcngemittel<br>als Ausgangsstoff diente.<br><strong>Messger\u00e4te zeigen hohe Radon-Werte<\/strong><br>Auch an Land nahm man Proben, und auch deren Strahlungswerte lagen unter dem<br>Grenzwert. B\u00e4hler kritisiert jedoch, man habe diese Messresultate bewusst \u00abverd\u00fcnnt\u00bb, indem<br>man f\u00fcr die zwei Meter langen Bohrkerne jeweils nur einen Mittelwert angegeben habe:<br>\u00abWenn in einer Schicht von zum Beispiel 50 Zentimetern Dicke viel radioaktives Material<br>vorliegt, in den anderen eineinhalb Metern aber nicht, dann kann man mit dieser<br>Beprobungsmethode erreichen, dass die Messwerte unter den Grenzwerten bleiben.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Strahlenfachmann B\u00e4hler vermutet deshalb auch radioaktive Hotspots an Land. In einem<br>Bohrloch in einer Halle am Westende des Gel\u00e4ndes haben seine Radon-Messger\u00e4te vor<br>einigen Monaten bis zu 3000 Becquerel pro Kubikmeter angezeigt \u2013 zehnmal so hoch wie der<br>in der Strahlenschutzverordnung festgelegte Referenzwert. Radon ist ein gasf\u00f6rmiges<br>Zerfallsprodukt von Radium. Anders ausgedr\u00fcckt: Wo man Radon findet, muss Radium<br>vorhanden sein.<br><strong>Radioaktives Material im offenen Container entsorgt<\/strong><br>Und B\u00e4hler hat noch mehr entdeckt: radioaktive Bohrkerne, die in einem offenen Container<br>auf dem ehemaligen Fabrikgel\u00e4nde entsorgt worden sind. Zwei dieser Bohrkerne liess er<br>extern untersuchen. Das Resultat, das dem Beobachter vorliegt: In einem Bohrkern zeigte die<br>Messung 1270 Becquerel pro Kilogramm, was deutlich \u00fcber der NORM-Befreiungsgrenze<br>liegt.<br>Im momentanen Zustand sei das Radium im Boden kein akutes Problem, r\u00e4umt B\u00e4hler ein:<br>\u00abAuf dem Gel\u00e4nde wohnt aktuell niemand \u00fcber den Radon ausgasenden Schichten. In<br>Zukunft sollen dort aber Menschen wohnen und zur Schule gehen. Und im See k\u00f6nnten die<br>unstabilen giftigen und radioaktiven Schichten beim n\u00e4chsten Erdbeben abrutschen und ins<br>Trinkwasser verwirbelt werden.\u00bb<br>Mit seinen eigenm\u00e4chtigen Nachforschungen schafft sich B\u00e4hler keine Freunde beim<br>zust\u00e4ndigen Amt f\u00fcr Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Z\u00fcrich. Unter<br>anderem kritisiert er, das Awel sei nicht bereit, alle entsprechenden Berichte herauszur\u00fccken.<br><strong>Amt: Bauherrschaft ist f\u00fcr Radon-sichere Bauten verantwortlich<\/strong><br>Das Amt widerspricht: Man habe B\u00e4hler zu den Sanierungsarbeiten in Uetikon \u00abdie Resultate<br>s\u00e4mtlicher radiologischer Messungen\u00bb zug\u00e4nglich gemacht, erkl\u00e4rt eine Sprecherin. Eine<br>spezialisierte Firma habe \u00abin rund 60 Bohrungen auf dem gesamten Areal die radioaktive<br>Belastung im Untergrund gemessen\u00bb. Dabei sei der Grenzwert nie \u00fcberschritten worden.<br>Zu B\u00e4hlers eigenen Messungen will sich die Awel-Sprecherin nicht \u00e4ussern: Man habe keine<br>Kenntnis davon. \u00abDas Awel bezieht in seine Bewertung nur Messwerte von akkreditierten<br>Labors ein, zu denen Herr B\u00e4hler nicht geh\u00f6rt.\u00bb<br>Selbst das Awel r\u00e4umt aber ein, dass durch das Radium im Boden krebserregendes Radon in<br>die geplanten Bauten eindringen k\u00f6nnte. Die Gefahr sei \u00aberkannt und auf dem Radar des<br>Awel wie auch der Eigent\u00fcmerschaften\u00bb. Das Amt mache in den Baubewilligungen<br>entsprechende Hinweise an die Bauherrschaften.<br>Quellen <a href=\"https:\/\/lobby-fuer-uetikon.org\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/lobby-fuer-uetikon.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abLobby f\u00fcr Uetikon<\/a>\u00bb: Medienmitteilung zum Entscheid des Baurekursgerichts<br>Baudirektion des Kantons Z\u00fcrich: Medienmitteilung Bundesamt f\u00fcr Gesundheit:<br>Referenzwert f\u00fcr Radon Bundesamt f\u00fcr Gesundheit: Befreiungsgrenze f\u00fcr \u00abNaturally<br>Occuring Radioactive Material\u00bb (NORM)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/?page_id=2710\">Rad. Abfall im \u201eZ\u00fcrisee\u201c \u2013 Fokus Anti-Atom<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Chemiefabrik in Uetikon am See hantierte rund 200 Jahre lang mit radioaktiven Stoffen. Nun soll das Gel\u00e4nde \u00fcberbaut werden. 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Der Beobachter.ch, 23.01.2025 und blick.ch, 23.01.2025, Thomas AngeliRadioaktivit\u00e4t im Z\u00fcrichsee \u2013 und das Amt will nichts wissenEine Chemiefabrik in Uetikon am See hantierte rund 200 Jahre [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2737,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2735","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2735"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2735\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2746,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2735\/revisions\/2746"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2737"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fokusantiatom.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}