Fokus Anti-Atom

Brandschutz Gösgen nicht gewährleistet

Das ENSI meldet relevante Vorkommnisse in AKW auf seiner Homepage, eine Meldung betrifft das AKW Gösgen: «Befunde beim Brandschutzklappentest im Schaltanlagengebäude vom 15. Dezember 2016». Den Sachverhalt erklärt das ENSI wie folgt: «Bei einem Test von Brandschutzklappen im Schaltanlagengebäude am 15. Dezember 2016 erreichten nicht alle Klappen exakt die vorgesehene Endstellung. Dies manifestierte sich in einer fehlenden Rückmeldung der Endschalter. Der Test wurde durchgeführt, um in der Lüftungsanlage die Druck- und Strömungsbedingungen zu optimieren. Die betroffenen Klappen wurden einer Wartung unterzogen und anschliessend erfolgreich geprüft. Als Ursachen für die Befunde erkannt wurden einerseits die Druck- und
Strömungsverhältnisse, andererseits aber auch erhöhte Reibung an den Klappenlagern sowie schwergängige Endschalter.» Die Meldung mutet nicht spektakulär an, dahinter verbirgt sich jedoch ein wesentliches Risiko!
Brandschutzklappen müssen die Brand- und Rauchausbreitung in den AKW Räumlichkeiten verhindern. Dabei müssen Fluchtwege für Personen und Angriffswege für die Feuerwehr sichergestellt werden. Schliessen die Brandschutzklappen nicht zuverlässig entstehen Gefahren für Personen und Anlagenteile. Wie zum Beispiel 1971 als es im Maschinenhaus des AKW Mühleberg zu einem Brand kam.
Ein Auszug aus dem Protokoll des damaligen Kraftwerkleiters Dr. H. R. Lutz: «Das Maschinenhaus war sofort nach Brandausbruch völlig verqualmt; zudem fiel die gesamte Beleuchtung aus. Es war deshalb schwierig, den Brandherd zu lokalisieren. Nachdem von der Pforte her gemeldet wurde, dass eine Stichflamme aus dem Dach brannte, vermutete man vorerst einen Wasserstoffbrand. Diese Diagnose wurde noch gestützt durch den Alarm
„Wasserstoffdruck tief“, der sich allerdings später als einer der zahlreichen durch Feuereinwirkung ausgelösten Fehlalarme erwies.» Weiter heisst es im Protokoll: «Für einige Minuten war nicht klar, wo sich der Maschinist befand, der den Brand zuerst gemeldet hatte. Er hatte das Aufbereitungsgebäude durch den Notausgang verlassen und meldete sich erst 21:40 im Kommandoraum. Im Maschinenhaus befanden sich bei Brandausbruch glücklicherweise keine Leute.» 

Siehe auch: http://www.fokusantiatom.ch/wp-content/uploads/2018/09/2018_09_Info14.pdf

Der erste Brand in einem AKW erregte weltweit grosse Aufmerksamkeit. Später entwickelte AKW achteten vor allem auf die räumliche Trennung der Sicherheitssysteme nicht nur im Brandfall sondern auch bei interner Überflutung des AKW. Im AKW Gösgen welches erst nach dem Brand im AKW Mühleberg geplant wurde sind einige dieser Konzepte umgesetzt worden. Die komplexen Brandschutzkonzepte umfassen eben auch die Brandschutzklappen welche laut Vorkommnis Bericht nicht mehr richtig schliessen. Nun zeigt sich aber das auch das «jüngere» AKW Alterungsschäden aufweist immerhin sind die Brandschutzklappen bereits Mitte der 70er Jahre verbaut worden.
Was stimmt nicht mit den Brandschutzklappen in Gögsen?
Einerseits haben Sie eine veraltete Mechanik, die Schmiermittel sind nicht mehr zureichend, der Auslösemechanismus erkennt Hitze aber nicht Rauch, die Klappen beinhalten krebserregendes Asbest. Zudem haben laut eines Informanten welcher Jahre für das AKW Gösgen gearbeitet hatte etliche der Klappen aufgrund
ihres Alters anders als dies vorgeschrieben wäre kein Kennschild haben. Als einzige Alternative erscheint das Auswechseln der Klappen. Jedoch weisen alle Hersteller von Brandschutzklappen daraufhin das die Klappenantriebe auf die Klappen abgestimmt sein müssen. Im AKW Gösgen gibt es hunderte Brandschutzklappen, welche veraltet sind und auf Ihre Funktion hin getestet werden müssten. Im Sinne der vorbeugenden
Sicherheitsvorkehrung müssten sie ersetzt werden.

Hier kommt nun das ENSI ins Spiel, zum Vorkommnis im Jahr 2016 heisst es:

«Massnahmen des Betreibers: Die Prüfung, Wartung und Instandhaltung der Brandschutzklappen werden erweitert. Ertüchtigung und Ersatz sind nach Bedarf vorgesehen.»
«Massnahmen des ENSI: Anlässlich einer durch das Vorkommnis ausgelösten Inspektion im April 2017 stellte das ENSI fest, dass die Brandschutzklappen des betroffenen Typs nicht mehr dem heutigen Stand der Technik entsprechen und verlangte vom KKG, ein Konzept für deren Ersatz einzureichen.» 

Was ist bis heute geschehen, wir ahnen es. Papier wird zwischen Gösgen und ENSI hin- und herumgeschoben und Konzepte erarbeitet. Das sich in der Zwischenzeit ein Brand entwickeln könnte wird vernachlässigt, das AKW bleibt in Betrieb. Ein Hoffnungsschimmer bleibt, der Verband kantonaler Feuerversicherungen VKF dieser erlässt aufgrund seiner Erfahrungen Normen und Richtlinien für den Brandschutz.
Die Brandschutzrichtlinie 25-15 besagt:

In der Brandschutznorm 1-15 des VKF steht jedoch auch:

«2. bestehende Bauten und Anlagen sind verhältnismässig an die Brandschutzvorschriften anzupassen…»
Da haben wir das Wort wieder, die «Verhältnismässigkeit». Wird hier kein Druck aufgesetzt wird auch das AKW Gösgen mit Mängeln weiterbetrieben werden.

Radio srf  vom 09. Oktober 2018: Hat das AKW Gösgen den Brandschutz vernachlässigt?

20Min, vom 09. Oktober 2018: AKW Gösgen erfüllt Vorgaben nicht

az, vom 09. Oktober 2018, AKW Gösgen muss Mängel an Brandschutzklappen beheben

Das Recherchezentrum CORRECTIV und RTL publizierten eine Recherche über den Brandschutz europäischer AKW unter anderem wurde auf die Brandschutzprobleme des AKW Gösgen hingewiesen.https://correctiv.org/recherchen/stories/2018/09/12/feuergefahrdet-so-altersschwach-ist-der-brandschutz-in-europas-atommeiler/#c2 

https://www.rtl.de/cms/rtl-nachtjournal-spezial-bedenkliche-sicherheitsmaengel-in-deutschen-atomkraftwerken-4220602.html