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JA zum Energiegesetz am 21. Mai 2017


Die Stahlhülle des AKW Beznau I rostet weiter

Die Stahldruckschale des AKW Beznau 1 korrodiert. Grund: Beim Wechsel von Brennelementen sammelt
sich im Reaktorgebäude säurehaltiges Reaktorwasser an. Darunter leidet die Sicherheit.

Orange: Druckbehälter mit den
Brennstäben.
Gelb: Fünf Zentimeter dicke Stahldruckschale.
Rot: Der Boden der Stahldruckschale
rostet weg.

Beznau 1 hat zwei Schutzhüllen. Die innere Hülle ist eine fünf Zentimeter starke Druckschale aus Stahl. Die zweite Schutzhülle, die von aussen sichtbare Gebäudehülle, besteht aus einer Stahlbetonwand von 60 Zentimeter Stärke. Die Stahldruckschale ist so konstruiert, dass sie beim Bersten des Reaktordruckgefässes dem steigenden Druck standhalten muss. Nun ist seit 2004 bekannt, dass die Stahlschale im AKW Beznau 1 rostet. Konkret: Mit der fortschreitenden Korrosion wird das AKW (noch) weniger sicher. Die Besitzerin des AKW, die Axpo, musste deshalb auf Anordnung der Aufsichtsbehörde ENSI Massnahmen ergreifen. Mit einem sogenannten kathodischen Korrosionsschutzsystem (KKS) sollte das Fortschreiten der Korrosion gestoppt werden. Ende 2011 stellte das ENSI in einem Bericht fest, dass die Wirksamkeit des KKS nicht belegt ist. Zur periodischen Sicherheitsüberprüfung des AKW Beznau – durchgeführt 2012 – äusserte sich die Aufsichtsbehörde erst im Dezember 2016. Sie hält darin fest, «für Block 1 die grösste bekannte Korrosionstiefe 4 Millimeter an der Innenwand und 5,2 Millimeter an der Aussenwand der Stahldruckschale beträgt». Dies sind mehr als zehn Prozent Einbusse der Festigkeit der nur fünf Zentimeter dicken Stahldruckschale. Weiter steht im Bericht, dass für die Aussenoberfläche der Stahldruckschale «eine ausreichende Wirksamkeit des KKS» nachgewiesen werden könne. An der Innenoberfläche der Stahldruckschale dagegen zeigte die Modellierung, dass «keine ausreichende Reduzierung der Korrosionsraten sichergestellt werden konnte». Ausserdem habe eine Analyse der bis 2012 durchgeführten Messdaten gezeigt, dass «der Bereich unterhalb des Transferkanals bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurde». An dieser Stelle könnten also weitere, bisher unbekannte Schäden entdeckt werden. Durch geplante Ultraschallmessungen könnten «grössere Korrosionsschädigungen als bisher bekannt» an den einbetonierten Bereichen der Stahldruckschale erkannt werden. Die Messtechnik ist allerdings noch nicht ausgereift, deshalb liegen bisher keine Daten vor. Die fortschreitende Korrosion belegt die Alterungsprobleme des heute 48-jährigen ältesten AKW der Welt. Die Feststellungen des ENSI zeugen von Unklarheiten in sicherheitsrelevanten Teilen des AKW. Deshalb fordert Fokus Anti-Atom: Solange die Stahldruckschale nicht vollflächig ausgemessen ist und die Korrosion nicht eingedämmt werden kann, darf das AKW nicht weiterbetrieben werden.


MÜHLEBERG SOFORTIGE AUSSERBETRIEBNAHME, NICHT EIN SPIEL AUF ZEIT

Fokus Anti-Atom wehrt sich entschieden gegen das Vorgehen der BKW, welche mit einer minimalen Nachrüstung auf Zeit spielt:

Das AKW Mühleberg hat keine Reserven. Schon gar nicht sind die Nachrüstungen von der Laufzeit bis 2019 abhängig, die kommuniziert werden. Es geht nicht um Alterungsprozesse, bei denen man gewisse Margen ausreizen kann, sondern um eine grundsätzlich falsche Bauweise des AKW Mühleberg. Deshalb ist es falsch, zu glauben, es brauche für 5 Jahre weniger Nachrüstungen als für 10 Jahre und mehr.

  • Das AKW Mühleberg ist das einzige AKW der Welt, welches sämtliche Notkühlpumpen im Keller („Ebene -11m“) direkt unter dem ringförmigen Wasserreservoir (Torus, 27 m Durchmesser!) für die Notkühlung aufgestellt hat.
  • Alle AKW des Mühleberg-Typs verfügen über separierte, brand- und überflutungsgeschützte Räume „Corner Rooms“, in welche die Pumpen untergebracht sind. Eine schlechtere Position kann man sich nicht vorstellen. Nur Ökonomische Gründe haben eine andere Platzierung verhindert.
  • Nicht nur ein Leck im Torus, auch etliche weitere Szenarien von Lecks und Rohrbrüchen, sogar ein Leck im Brennelementbecken auf der obersten Etage des AKW Mühleberg können zu einer Überflutung führen.
  • Dass Wassermassen direkt von der obersten in die unterste Etage einer Atomanlage gelangen und diese letzte überfluten können, legt ein weiteres Zeugnis vom katastrophalen Zustand von Mühleberg ab.
  • Die Pumpen sind nicht auf dem Stand der Technik, sie sind nicht gegen Spritzwasser von Sprinkleranlagen etc. geschützt.
  • Das Pumpsystem, welches die Überflutung auf der Ebene -11m verhindern soll, ist viermal zu klein dimensioniert, und die Halterungen taugen nicht gegen Erdbeben. Auch hier hat man jahr(zehnte)elang gespart.

Die ursprünglich vorgesehenen, weit über 100 Millionen Franken teure Nachrüstungen hätten die Baustruktur an die Grenzen belastet und neue, komplizierte Bohrungen erfordert; das mag auch ein Grund sein, weshalb dieses Projekt aufgegeben wurde.

Dass das ENSI diese Zustände geduldet und in den Verfahrensschriften vor dem Bundesgericht sogar mit Nachdruck auf unsere Kritik hin verteidigt hat, spricht Bände. Erst als 2011 bei Berechnungen zu hohe Wahrscheinlichkeitszahlen für eine Kernschmelze mit früher massiver Verseuchung der Umwelt herauskamen, wurde das ENSI aufgeschreckt.

Die in der Realisierung befindlichen Nachrüstungen mit dem prognostizierten Laufzeitende zeigen, dass der BKW und dem Überwacher ENSI die Sicherheit egal ist.


 

logoVerfahren20 Jahre lang bemühte sich die BKW um eine unbefristete Bewilligung für ihr AKW Mühleberg. Am 17. Dezember 2009 wurde sie vom UVEK erteilt. Dank dem neuen Kernenergiegesetz vom März 2003 war es möglich, gegen den Entscheid Beschwerde einzureichen. Diese Chance nutzte der Verein Mühleberg Ver-fahren.