Beznau 1: Hält der Stahl des Reaktordruckbehälters?

Der Reaktordruckbehälter des AKW Beznau 1 hat eine Aluminiumoxid Verunreinigung
Reaktordruckbehälter des AKW Beznau 1

Die Einschlüsse im Reaktordruckbehälter des AKW Beznau 1 sind nicht wie erst vermutet Wasserstoffeinschlüsse ähnlich wie bei den belgischen Reaktoren Doel3 und Thiange2, sondern Aluminiumoxideinschlüsse. Aluminiumoxid gehört nicht ins Grundmaterial eines Reaktordruckbehälters, das zeigt die Materialspezifikation «ASME Boiler and Pressure Vessel Code». Wie schwächen die Aluminiumoxideinschlüsse den Beznau-Reaktor?

Fokus Anti-Atom ist dieser Frage nachgegangen: Lesen Sie:

2016_10_24-beznau_rpv.pdf

Aluminium hat im Stahl für Reaktordruckbehälter nichts zu suchen!


 

Neue Erdbebengefährdungsannahmen: Papier ist geduldig

Medienmitteilung vom 30.05.2016

Heute hat das ENSI die neusten Resultate der Erdbebenstudien des „Pegasos Refinement Project“ PRP zu den Standorten der Schweizer AKW publiziert. Die Werte sind höher als bisher angenommen. Die Vermutung liegt nahe, dass damit die reale Gefahr der AKW gegenüber früheren Behauptungen grösser ist. – Doch das ganze Prozedere der Erdbebenstudien ist eine Realsatire; denn den AKW-Betreibern werden wieder jahrelange Fristen zum Nachrechnen der Erdbebensicherheit gewährt – griffige Nachrüstungen sind damit nicht gemacht.

Wie schädlich ein Erdbeben für ein Atomkraftwerk ist, hängt von zwei Seiten ab. Erstens der Intensität des Erdbebens, zweitens der Robustheit der Gebäude, Anlagen, Bestandteile des AKW gegen dieses Erdbeben. Die überalterten Schweizer Atomkraftwerke wurden bei Ihrem Bau nicht ausreichend gegen Erdbebengefahren ausgelegt, Nachrüstungen wurden nur spärlich getätigt. Dies gilt vor allem für die ältesten Reaktoren, Beznau und Mühleberg.

Ökonomie vor Schutz der Bevölkerung

Was heute das ENSI darlegt, ist eine Frechheit. Seit 1999 dauern die Erdbebenstudien. Ernsthaft kann man sie nicht einmal wissenschaftlich würdigen. Fokus Anti-Atom wirft dem ENSI vor, dass die Atomwirtschaft zu sehr in die Erdbebenstudien des PRP verwickelt ist. Projektleitungen und aktive Mitarbeit der Swissnuclear (AKW-Betreiber-Organisation) – v.a. in der Person von Dr. Philippe Renault – wurden nie verhindert. So sind die endlosen Verzögerungen massgeblich auf ein Seilziehen zwischen ENSI, Expertenteams und den Atombetreibern zurückzuführen. Auch in der letzten Etappe wurde den Atomkonzernen für eine Stellungnahme zu den ENSI-Verfügungen mehrere Monate Zeit gewährt. Die ökonomisch angeschlagenen Konzerne werden geschont.

Mehrere Notsysteme sind nicht erdbebenfest

2007 wurden durch das ENSI in einer Liste zum AKW Mühleberg 17 nicht erdbebenfeste Sicherheits- und Notkühlsysteme aufgelistet. Bei Beznau zeigte sich praktisch dasselbe Bild. Einige der Systeme wurden zwar modifiziert. Beznau wartet aber immer noch auf den Anschluss eines erdbebenfesten Notstromsystems. In Mühleberg musste für den Betrieb bis zur definitiven Stilllegung 2019 ein „Sicherheits“-Nachweis geliefert werden: Mit Absegnung des ENSI wird kein einziges der neu zu ergänzenden Notkühlsysteme erdbebenfest gebaut werden. Aufgrund der heute publizierten erhöhten Erdbebenwerte sind die Gefahren für eine Kernschmelze wesentlich höher einzustufen.

Einmal mehr: Monatelange Berechnungen und keine Massnahmen

Den Betreibern wird für die Erdbebennachweise (bzw. die Nachweise für die Beherrschung eines Unfalls bei einem massiven Sicherheitserdbeben SSE) einmal mehr sehr lange Zeit gewährt. Mühleberg muss die letzten Papiere Ende 2018 liefern, ein Jahr vor der definitiven Silllegung. Die Logik muss anders sein. Fokus Anti-Atom drängt darauf, dass Beznau I nicht mehr ans Netz gehen darf und Mühleberg und Beznau II stillgelegt werden. Die Organisation evaluiert auch ein rechtliches Vorgehen. Es ist darauf hinzuweisen, dass immer noch ein Gerichtsverfahren zur Stilllegung des AKW Mühleberg sistiert ist, weil bis anhin keine neuen Erkenntnisse vorgelegen haben. Dies hat sich mit den neuen Erdbebenwerten geändert.

Les-centrales-doivent-pouvoir-resister-a-un-seisme


Atomkraftwerk BEZNAU: GegnerInnen fordern Ausserbetriebnahme

Fokus Anti-Atom Bern                                                                       Sozialdemokratische Partei Kanton Aargau

Nie wieder Atomkraftwerke NWA Aargau                                      Grüne Partei Kanton Aargau

Nie wieder Atomkraftwerke NWA Solothurn                                 Sozialdemokratische Partei Kanton Solothurn

Nie wieder Atomkraftwerke NWA Bern                                          Grüne Partei Kanton Solothurn       

 

Atomkraftwerk BEZNAU: GegnerInnen fordern Ausserbetriebnahme

 Acht Organisationen und Parteien der AKW-Standortkantone fordern von Bundesrat Moritz Leuenberger in einem Brief vom 3. November 2009 die unverzügliche Ausserbetriebnahme des Atomkraftwerks Beznau. Anlass sind die kürzlichen Bekanntmachungen der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG NOK, längst fällige Nachrüstungen erst ab 2011 zu starten. Diese Nachrüstungen betreffen Notsysteme, welche im derzeitigen Zustand nicht in der Lage sind, den Reaktor bei einem grossen Unfall ausreichend zu kühlen. Wären sie nicht teuer und aufwändig, würden die Arbeiten kaum so lange hinausgeschoben. Einmal mehr zeigt sich, dass ökonomische Interessen vor Sicherheit kommen. Besonders scharf kritisiert wird die Atom-Aufsichtsbehörde ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat), welche zulässt, dass die Bevölkerung einem derartigen Risiko ausgesetzt wird.  

 

Vor kurzem wurde publik, dass die NOK Aufträge für dringende Nachrüstungen in Auftrag gegeben hat. Diese betreffen nicht nur die rissigen Reaktordruckbehälterdeckel, sondern unzulässig abgenützte Dampf- und Kühlwasserrohre und vor allem die Notstromversorgung. Diese Nachrüstungen sind frühestens in zwei Jahren vorgesehen. So lange noch soll die Bevölkerung dem erhöhten Risiko ausgesetzt sein. – Mit 40 Jahren ist Block eins von Beznau der älteste Druckwasserreaktor der Welt. Aber der technische Nachweis für den Langzeitbetrieb ist noch nicht erbracht.

 

Fataler Zusammenbruch der Notstromversorgung

Theoretisch ist schon oft kritisiert worden, dass das Notstromsystem, welches die überlebenswichtigen Not- und Kühlsysteme im Reaktor mit Energie versorgen muss, völlig unzureichend ist. Vor zwei Jahren ereignete sich jedoch ein Unfall, der eindrücklich demonstrierte, dass im Fall eines Erdbebens eine Katastrophe nicht mehr aufzuhalten gewesen wäre. Den Reaktorfahrern wären nur noch wenige Möglichkeiten übrig geblieben, die Folgen etwas einzudämmen.

Was war geschehen? Anlässlich der Revision einer externen Noteinspeiseleitung wurde ein Notstromdiesel auf kleiner Leistung in Bereitschaft gesetzt. Dieser war jedoch defekt, wie sich erst Stunden später herausstellte, als er beim Hochfahren auf Volllast ausfiel.

Folglich waren während der halbtägigen Revisionszeit der Notspeiseeinleitung von den insgesamt fünf Notstromsystemen nur noch das Wasserkraftwerk und zwei weitere Notstromdiesel funktionsfähig. Bei stärkeren Erdbeben bieten diese jedoch keine Sicherheit. Dies verstösst gegen zwingende Vorgaben der schweizerischen und internationalen Atomrichtrichtlinien.

 

Sofortige Ausserbetriebnahme gefordert

Das ENSI hat zwar die alarmierende Lage von damals scheinbar erkannt, aber seinen veröffentlichten Berichten ist klar zu entnehmen, dass 2008 und auch in der Jahresrevision 2009 keine Verbesserungen, gemacht worden sind. Neue Verschaltungen oder ein Reservediesel wären zwar nicht ausreichend,  aber wenigstens eine minimale Risikoverminderung.

Es darf nicht hingenommen werden, dass dieser Zustand noch zwei Jahre dauern soll. Atomrechtlich muss ein AKW ausser Betrieb genommen werden, wenn klar ist, dass Unfälle wie zum Beispiel Rohrbrüche und Erdbeben nicht „beherrscht“ werden. Dies wird in der Verordnung „über die Methodik und die Rahmenbedingungen zur Überprüfung der Kriterien für die vorläufige Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke“ geregelt. – Bis 2011 läuft also das AKW Beznau  widerrechtlich. Aber noch nie in der schweizerischen Atomgeschichte hat das ENSI (oder seine Vorgängerorganisation) eine Ausserbetriebnahme angeordnet, wenn ein schwerwiegender Systemfehler in einem AKW zum Vorschein gekommen ist.

Deshalb gelangten am 3. November 2009 die acht genannten Organisationen an Bundesrat Leuenberger mit dem Antrag, eine unverzügliche Ausserbetriebnahme zu verfügen.

 

Medienmitteilung: Beznau_MM_Ausserbetriebnahme

Brief an BR Leuenberger: Beznau_Brief_an_BR_Leuenberger

Hintergrundpapier: Beznau_Hintergrund_Notstrom

Prinzip Notstromversorgung: NotstromversorgungBeznau

 

2010.08.30 Medienmitteilung: Atomkraftwerk Beznau: Wer kontrolliert die Atombehörden?

 

Kontakte:              Jürg Aerni  076 508’46’91   oder     Jürg Joss 079 330’06’60